Tagebuch
Das zunehmende Licht der Morgendämmerung sagt mir, es tagt bereits. Ich schaue ich auf die Anzeige des Weckers. Halb sechs Uhr morgens. Der Mann neben mir atmet gleichmäßig, er schläft noch fest, obwohl er sonst um diese Zeit aufsteht. Sein gestriger Arbeitstag war lang und mühsam gewesen.
Ich könnte heute bis um acht oder neun schlafen, und wenn ich wollte. Will ich aber nicht. Ich stehe früh auf. Ich will diesen Muttertag mit einem Morgenspaziergang beginnen. Allein. Ohne Mann, der stets drei Meter vorauseilt, ohne Kinder, die sich über die ungewohnte Mühe des bergigen Anstiegs beschweren.
Am Ziel, einem Waldstück mit lichtdurchfluteten Rotbuchen, huscht eine Amsel träge durchs Unterholz. Um diese frühe Zeit sind diese Vögel noch nicht so recht flugfähig, ich noch nicht redselig. Auch deshalb ziehe ich das Alleingehen vor. Schön ist es, zu sehen, wie die Sonne über den östlichen Hügel heraufkommt. Streifen für Streifen wird das Licht mehr am Wiesensaum. Auf den Blättern des wilden Frauenmantels, der am Wegesrand sich selbst angesamt hatte, sammeln sich Tautropfen. Das sind die sogenannten Guttationstropfen, die in der Volksheilkunde als Heilmittel gelten. Man kann sie mit einer Pipettte aufsaugen und in Medizinalalkohol konservieren.
Am Vormittag binde ich den Strauß mit wilden Margeriten fertig. Er sieht schön aus mit den vielen weißen Blütenköpfen, dazwischen die zarten, länglichen Blätter von den Zweigen einer Weide. Der üppige Strauß bekommt einen Mantel aus weißer Blumenseide, an dessen Rand ich einen kleinen Gruß hefte. Diesen schrieb ich mit schilfgrüner Tinte und Kalligrafiefeder auf einen Streifen Aquarellpapier. Die Tintenfarbe harmoniert mit dem Grün der Margeritenstängel und der Weidenblätter. Dazu klammere ich ein handgeschriebenes Zitat: "Es gibt Augenblicke, in denen eine Blume wichiger ist, als ein Stück Brot."
Der Strauß ist für meine Mutter gedacht. Damit überrasche ich sie bei meinem angekündigten Besuch. Zu Mittag, beim Mittagessen, das wir zwei Schwestern für Mutter und Familie kochten, stelle ich die Vase auf den Tisch. Wir mögen an diesem Tag nirgends hinfahren, um im Restaurant zu essen. Die überlaufenen Lokale sind uns ein Gräuel.
Als wir noch kleine Schulmädchen waren und unsere Mutter fragten, was sie sich wünsche zum Muttertag, sagte sie meistens "Brave Kinder!"
Drüber ärgerte ich mich. Ich konnte mir nichts rechtes vorstellen unter einem braven Kind. Mir wäre lieber gewesen, sie hätte sich etwas gewünscht, was ich mit ein paar ersparten Schillingen beim Greißler im Dorf kaufen hätte können. Bonbons, ein Stück duftender Seife oder einen Heftchenroman, wie Schulfreunde das taten.
Aber sie meinte, sie habe alles, was sie brauche.
Beim heutigen Telefonat mit meiner eigenen Tochter, wir telefonieren beinah täglich miteinander, fällt mir auf wie ich mit den Jahren meiner Mutter ähnlich werde. Ich sage das Gleiche wie sie. "Ich habe alles, was ich brauche."
rosenherz - 10. Mai, 17:43
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Meine Mutter (70) und meine jüngste Schwester (35)
rosenherz - 23. Apr, 12:52
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Mein Schwiegervater meldete sich gemeinsam mit seiner (zweiten) Frau zu einer Anlitzdiagnose. Eine solche wird von Therapeuten durchgeführt, die mit Schüsslersalzen arbeiten und in Anlitzdiagnose ausgebildet sind.
Als die beiden beim Termin erschienen, wurden sie unter anderem auch gefragt, welche Medikamente sie einnehmen. Die Antwort meines Schwiegervaters (78) erstaunte die Therapeutin sehr: keine Medikamente. Ihn plagt weder Bluthochdruck, noch sonst etwas, wofür er Medikamente nehmen müsste. - Einzig eine Brille trägt er seit etwa zehn Jahren, und seit einem halben Jahr ein Hörgerät.
Nun kann man fragen, wie lebt denn dieser Mensch, dass er mit seinen 78 Jahren ohne Medikamente auskommt? Er ist ein bisschen übergewichtig, treibt keinen Sport, aber arbeitet nach wie vor in der Landwirtschaft (Biobauenrhof) mit. Er kommt täglich an die frische Luft, sonntags unternimmt er meistens einen Ausflug mit seiner Frau, und nimmt am gesellschaftlichen Leben des Dorfes teil.
Er trinkt täglich seine zwei, drei Gläser Most, morgens eine Tasse Kaffe, er liebt ein Stück Geselchtes am Jausenbrett, und der der Rest der Mahlzeiten besteht überwiegend aus saisonalen (Bio-) Lebensmitteln. Seine Arznei: täglich einen Apfel.
Mir ist das gar nicht so sehr bewußt gewesen, dass das heutzutage etwas Seltenes ist, wenn Menschen mit 78 Jahren ohne Medikamente auskommen.
rosenherz - 21. Apr, 10:45
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Bei Niwi habe ich mich in der Liste wiedergefunden, in der sie mich für den "friendsaward" auswählte. Danke Niwi! Ich weiß deine Wahl zu schätzen und ich freue mich über die unerwartete Vergabe des Awards an mich. Mein großes Danke ergeht an Niwi, bei der ich so gerne lese!
Der "Let´s be Friends" Award steht für Folgendes: “Diese Blogs sind überaus zauberhaft. Diese netten Blogger versuchen Freunde zu finden und zu sein. Sie sind nicht darauf aus, sich selbst als die Größten darzustellen. Unsere Hoffnung ist, dass wenn das Band dieses Preises weitergereicht wird, mehr Freundschaften weitergereicht werden. Bitte gebt diesen Bloggern mehr Aufmerksamkeit. Gib’ diesen Award an acht Blogger, die weitere acht Blogger auswählen können und diesen schlau geschriebenen Text in ihren Award-Post mit aufnehmen sollten.
Ich gebe den Friends-Award weiter an folgende 8 BloggerInnen:
David Ramirer
Mariuca
Steppenhund
Schlagloch
Walküre
Schreibman
akt-uell
Auf Travellers Pfaden
rosenherz - 21. Apr, 10:34
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Die für mich vergnüglichste Art Ostern zu genießen: auf der Hausbank. Vormittags. Ja, vormittags. Um diese Zeit scheint das Sonnenlicht gelblicher und klarer, als zu anderer Zeit. Kein Vergleich mit Mittagshelle, Nachmittagsstrahlen oder Sonnenuntergang. Aber ich bedauere, dass es keine wirklichen Begriffe gibt in der deutschen Sprache für die Nuancen des Tageslichts.
Die Eskimos haben sechzehn unterschiedliche Begriffe für Schnee. Was haben wir? Ein paar mikrige Begriff für die Taghelle; sonnig, trüb, bedeckt, milchig, nebelig. Dazu ein paar hauptwörtlich gebrauchte: Glanz, Helle, Geflimmer, Leuchten, Schein, Schimmer, Licht, Gefunkel, Klarheit, Leuchtkraft, Lichtflut, Lichtfülle, Lichtkegel, Lichtstrahl.
Ich bedauere, wie wenig wir in der deutsche Sprache Naturphänomene auszudrücken vermögen. Ich suche nach Worten für Tageslicht, die den vielen feinen Nuancen gerecht werden.
rosenherz - 13. Apr, 10:01
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Das klingt zwar ähnlich wie der Roman von Arno Geiger, doch ist eine private Nachricht in meinem E-Mailfach. Tochter und deren Freund urlauben in der Ferienwoche in Hamburg. Dass es ihnen dabei gut geht, das nehme ich sowieso an. Und wie ich die beiden kenne, werden sie mit hunderten Fotoaufnahmen aus Hamburg heimkehren.
Scherzhaft bange ich in einem Antwortmail, ob sie denn schönes Briefpapier finden würden. Ich mag nämlich Briefpapier aus aller Welt. Als die Tochter vor drei Jahren in Paris weilte, beschwor sie, sie habe dort nirgends Briefpapier finden können. Ein halbes Jahr später legte sie es mir als Geschenk unter den Weihnachtsbaum. Und sie erzählte, es war sehr schwer gewesen, mir ein halbes Jahr lang vom Briefpapier aus Frankreich nichts zu verraten.
Aber wie heißt es doch in einem bekannten Zitat? Vorfreude ist eine der schönsten Freuden. - Uns geht es gut. Es gibt jeden Tag etwas, worauf wir uns freuen können. Was ist es heute bei Dir?
rosenherz - 7. Apr, 09:55
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Heute habe ich mich ganz besonders gefreut über meinen Sohnemann. Nicht weil er viel später als sonst von der Schule gekommen ist, sondern über das "warum". Einem Klassenkameraden gehts gerade schlecht. Er hat angesichts von zwei Fünfern im Abschlusszeugnis der fünften Klasse HTL die Nerven weg geschmissen, er ist am Sand. Sohnemann und Kumpels besuchten ihn heute nach dem Unterricht daheim und kümmern sich freundschaftlich um ihn.
Das finde ich einen schöne Geste von den jungen Männern. Zumal alle gerade selber den Kopf voll und alle Hände voll zu tun haben mit dem Lehrstoff zur bevorstehenden Matura.
Schön, auch im Angesicht des bedauerlichen Dramas von Winnenden.
rosenherz - 3. Apr, 21:12
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Hach, ist das ein herrliches Gefühl: Aufstehen, die Fenster öffnen und das lustige Kicksen der Bachstelzen hören! Da kommen Frühlingsgefühle auf. Und meine winterliche Gemütlichkeit, mit der ich mich wie eine Bärin in der Höhle fühlte, verwandelt sich im Handumdrehen in Tatendurst: Fenster putzen, die Bettwäsche neu beziehen, Laden und Schränke aufräumen, den Kleiderkasten inspizieren.
Endlich sind frostfreie Tage eingekehrt und so kann ich erstmals erstmals in diesem Jahr wieder die Wäsche wieder ins Freie hängen und von einem milden Lüftchen trocknen lassen. Unbeschreiblich, wie gut die Wäsche von draußen duftet!
Unter den Haselsträuchern, die den Weg säumen, blühen die ersten Leberblümchen und ducken sich blauäugig aus der braunen Laubdecke hervor. Im Wald hat sich die Natur einen Teppich aus weißen Christrosenblüten in verschwenderischer Größe hingelegt. Hektarweise. An den Wildrosenzweigen knospen winzige Augen in rosa überhauchten Grün.
Die Natur erwacht.
rosenherz - 17. Mrz, 10:25
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In Österreich bleibt weiterhin der Gentechnikanbau verboten. Diesem Unmstand gebührt es, ein Fest zu feiern!
Der EU-Umweltministerrat hat am 2. März 2009 entschieden: Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais bleibt in Österreich weiterhin verboten. Der EU-Kommission, die einen Antrag gestellt hat, dass Österreich Genmais anbauen müsse, ist es auch im dritten Anlauf nicht gelungen, die Gentechnik in der europäischen Landwirtschaft zu etablieren. Mit 82% Gegenstimmen im EU-Umweltministerrat ist der Antrag der Kommission zurück gewiesen.
Der öst. Landwirtschaftsminister hat in Deutschland intensiv für die Unterstützung einer Gentechnik-freien Landwirtschaft in Europa geworben. Letztlich war die Stimme Deutschlands im Abstimmungsverfahren entscheidend. „Es freut mich besonders, dass auch Deutschland den österreichischen Weg respektiert und aktiv gegen die Aufhebung gestimmt hat. Unser Appell an die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass der Bio-Landwirtschaft und damit 20.000 österreichischen Biobauern nicht die Existenzgrundlage entzogen wird“, schließt Rudi Vierbauch von Bio Austria.
rosenherz - 2. Mrz, 17:45
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Die Amerikaner haben nicht nur eine fette Wirtschaftskrise am Hals, sondern auch einen empfindlichen Hintern. Der Drang der Amerikaner, superweiches Toilettpapier zu benutzen, das nicht aus Recyclingpapier hergestellt ist, der ist in die Schusslinie der Kritiker_innen geraten. Pro Person verbrauchen man in den USA drei Mal mehr Papier als in Europa - und hundert Mal mehr als in China. Der Guardian spricht süffisant von der "Empfindlichkeit der zarten amerikanischen Hintern".
Der hohe Papierverbrauch wird von Umwelt- und Klimaschützern als Sünde aufgefasst. Nur zwei Prozent des amerikanischen Klopapiers wird aus Recyclingpapier hergestellt. Zum Vergleich: In Europa und in Lateinamerika liegt der Anteil bei 20 Prozent.
Grennpeace wirft sich mit einer Kampagne ins Zeug. "Die Amerikaner könnten pro Jahr mehr als 400.000 Bäume retten, wenn jede Familie eine Rolle recyceltes Toilettenpapier kauft – einmal", heißt es.
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Na, da habe ich Glück gehabt, dass ich seit zwanzig Jahren nur noch superweiches Recyclingpapier an meinen Allerwertesten lasse. Sonst würde man möglicherweise Frau Rosenherz nachsagen, sie sei ein empfindliches Oascherl.
rosenherz - 1. Mrz, 17:26
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