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    <title>Rosenherz</title>
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    <dc:publisher>rosenherz</dc:publisher>
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    <dc:date>2007-01-02T12:29:18Z</dc:date>
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    <title>Kuss-Sammlung   (Goethe)</title>
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    <description>Goethe und der Kuss von Hardheim  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenden wir uns der Beziehung zwischen Hardheim und Goethe, Goethe und Hardheim zu. Goethe unternimmt 1815 zum zweiten Mal eine Reise in die Rhein- und Maingegenden&quot;, trifft Marianne von Willemer wieder, die letzte große Liebe seines Lebens, und flieht sie Anfang Oktober, wie er in seinem Leben oft geflohen ist, wenn der Boden zu heiß wurde, der Boden der Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Mann, ein anderer ganz Großer der deutschen Literatur, beschreibt in seinem Roman Lotte in Weimar&quot; diese Reise  er legt dem Goethe des Jahres 1816 folgende Worte über Goethes Reisebegleiter Sulpiz Boisserée in den Mund: &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;... hatt aber eine musterhafte Haltung in solcher Bewandtnis, weder geniert noch unfein  das ist katholische Kultur  und war von der heiter-günstigsten Gegenwart, als ich ihr den Kuß gab, den Kuß auf die Lippen.&quot;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind wir schon mitten im Geschehen, beim Kuss von Hardheim, der doch einiges Aufsehen erregt hat in der Literaturgeschichte  Aufsehen vor allem deshalb, weil in der Überlieferung die Szene sehr viel fragwürdiger ist als das, was Thomas Mann hier daraus macht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Quelle für die hier geschilderten Ereignisse  das Tagebuch des schon erwähnten Sulpiz Boisserée.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von ihm wissen wir auch das meiste über die Liebe Goethes zu Marianne von Willemer: Die beiden hatten sich erstmals im August 1814 getroffen; Marianne war damals noch nicht verheiratet, lebte  30-jährig  im Haus des Frankfurter Bankiers Johann Jakob Willemer. Kurz nach der Begegnung mit Goethe heiraten Marianne und Willemer, fast so, als hätten sie die Gefahr für ihre Beziehung erkannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boisserée beschreibt sein Zusammensein mit Goethe sehr ausführlich, mit vielen Abschweifungen; er gibt auch immer wieder den Inhalt der Gespräche mit dem Dichter wieder.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe arbeitet in diesen Monaten an seinem west-östlichen Diwan, und nachdem er einige Gedichte Marianne widmet, kommt es zu einem lyrischen Gedankenaustausch zwischen beiden, der von erotischen Anspielungen nur so sprüht  auch als Goethe über die Wintermonate nach Weimar zurückgekehrt ist:&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Daß Suleika von Jussuph entzückt war,&lt;br /&gt;
Ist keine Kunst;&lt;br /&gt;
Er war jung, Jugend hat Gunst,&lt;br /&gt;
Er war schön, sie sagen zum Entzücken,&lt;br /&gt;
Schön war sie, konnten einander beglücken.&lt;br /&gt;
Aber daß du, die so lange mir erharrt war,&lt;br /&gt;
Feurige Jugendblicke mir schickst,&lt;br /&gt;
Jetzt mich liebst, mich später beglückst,&lt;br /&gt;
Das sollen meine Lieder preisen,&lt;br /&gt;
Sollst mir ewig Suleika heißen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erwiderungen von Marianne von Willemer hat Goethe ebenfalls in seine Gedichtsammlung aufgenommen  ein in der Literaturgeschichte weithin einmaliger Fall. Zu diesen Erwiderungen gehören etwa folgende Zeilen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Suleika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, um deine feuchten Schwingen,&lt;br /&gt;
West, wie sehr ich dich beneide:&lt;br /&gt;
Denn du kannst ihm Kunde bringen,&lt;br /&gt;
Was ich an der Trennung leide!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung deiner Flügel&lt;br /&gt;
Weckt im Busen stilles Sehnen;&lt;br /&gt;
Blumen, Augen, Wald und Hügel&lt;br /&gt;
Stehn bei deinem Hauch in Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch dein mildes, sanftes Wehen&lt;br /&gt;
Kühlt die wunden Augenlider;&lt;br /&gt;
Ach, für Leid müßt ich vergehen,&lt;br /&gt;
Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eile denn zu meinem Lieben,&lt;br /&gt;
Spreche sanft zu seinem Herzen;&lt;br /&gt;
Doch vermeid, ihn zu betrüben,&lt;br /&gt;
Und verbirg ihm meine Schmerzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sag ihm, aber sags bescheiden:&lt;br /&gt;
Seine Liebe sei mein Leben;&lt;br /&gt;
Freudiges Gefühl von beiden&lt;br /&gt;
Wird mir seine Nähe geben.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang September 1815 wird die Situation prekär in dieser Dreier-Konstellation, und Goethe beginnt sich zurückzuziehen, wie dies in Goethes Leben  man denke nur an seine Liebe zu Charlotte Buff  nicht einzigartig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Rückkehr nach Heidelberg kommen Willemers noch einmal in die Stadt, reisen aber am 26. September aus Heidelberg ab. Goethe dichtet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Deinem Blick mich zu bequemen,&lt;br /&gt;
Deinem Munde, deiner Brust,&lt;br /&gt;
Deine Stimme zu vernehmen,&lt;br /&gt;
War die letzt und erste Lust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern, ach, war sie die letzte,&lt;br /&gt;
Dann erlosch mir Leucht und Feuer,&lt;br /&gt;
Jeder Scherz, der mich ergetzte,&lt;br /&gt;
Wird nun schuldenschwer und teuer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eh es Allah nicht gefällt,&lt;br /&gt;
Uns aufs neue zu vereinen,&lt;br /&gt;
Gibt mir Sonne, Mond und Welt&lt;br /&gt;
Nur Gelegenheit zum Weinen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach hält Goethe nichts mehr in Heidelberg:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;&lt;i&gt;i&gt;Freitag den 6. Morgens will Goethe plötzlich fort, er sagte mir: ich mache mein Testament. Wir bereden ihn mit großer Mühe, noch einen Tag auszuruhen, und übermorgen zu reisen. [...]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den 7. Regenwetter. Goethe ist früh morgens unruhig und fürchtet eine Krankheit, will schon zu Mittag fort. Ich biete mich ihm zur Beleitung an, und bereite mich vor, ihm bis Weimar zu folgen. Trauriger, schwerer Abschied.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wagen erholt sich der Alte allmählich. [...]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends in Neckarelz. Kaltes Zimmer. Goethe war munter, vergaß die Kälte, indem er mir von seinen orientalischen Liebesgedichten vorlas. Wir schliefen in einer Stube. Es ist ihm lieb, daß ich bei ihm bin, er hatte wirklich eine Krankheit befürchtet.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boisserée schreibt weiter:&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
SONNTAG 8. Heiteres Wetter.&lt;br /&gt;
Morgens nach Würzburg.&lt;br /&gt;
Neckar-Elz bis Ober-Scheflenz 1 P.[ost]  4 St.[unden] &lt;br /&gt;
bis Buchen 1 P.  4 St.&lt;br /&gt;
Von Neckar-Elz  die Höhe hinauf. Kalk-Gebürg  G. erkennt die fränkische Main-Region daran. Der Bediente findet Versteinerungen, Ammonshörner .&lt;br /&gt;
Geognosie.  Entstehung der Quellen durch Einsaugen der Luft von den Bergen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Glosse am Rand] Wir däumeln im &gt;Divan&lt;. Ich immer unglücklich  oder doch schlecht und verworren. G. meist verliebt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begegnen  (zwischen Oberscheflenz und Buchen?) den Maler Jagemann der zu seiner Schwester nach Mannheim reist [...]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Buchen  begegnen wir Herrn v. Türck von Ifferten mit Familie und mehreren Kindern, wahrscheinlich noch ein paar Zöglinge  ein ganzer Schweizer Postwagen voll 9 oder 10 Personen. war uns in Heidelberg von Colloredo empfohlen.  hatte in der Schweiz ein Erziehungs-Haus.  ist von Meinungen [Meiningen]. und wird nun von Preußen als Ober-Schulrat nach Frankfurt an der Oder berufen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
G. Klaglieder über das heutige Erziehungs-Wesen. Versuchen Tasten und Wandern nach der wahren Erziehungs-Art!  Liebes-Geschichten wechselseitig  Deutsche mögen nur gern die naiven ruhigen, nicht die leidenschaftlichen Frauen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hardheim Mittag-Essen  junges frisches Mädchen nicht schön aber verliebte Augen. Der Alte kuckt sie immer an. Kuß. alter Mincio.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends im Dunkel nach Würzburg. [...]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MONTAG. 9. der Alte mit klarem kalten Herbstwetter nach Weimar. unter meinen frömmsten Wünschen. &lt;br /&gt;
Ich geh in den Dom.  Gebet. &lt;br /&gt;
&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Soweit die Geschichte, das, was wir wissen über diesen Kuss. Aber es stellen sich noch einige Fragen, so zum Beispiel die nach dem Ort des Geschehens, der bei Boisserée nicht detailliert genannt wird.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir können mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass Goethe und sein Begleiter in jenem Hardheimer Gasthaus Rast gemacht haben, das gleichzeitig auch Posthalterei war: Der Grüne Baum&quot;, damals im Besitz des Gastwirts und Posthalters Franz Adam Burkard.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er übergab den Betrieb 1836 seinem Sohn Gottfried Burkard, der sechs Jahre später  wohl aus gut badischem Patriotismus  beim Bezirksamt um die Genehmigung einkam, den Schild in Zum Badischen Hof&quot; umändern zu dürfen, was ihm auch gestattet wurde. Weshalb man noch heute in jenem Gasthaus eine Goethe-Stube&quot; findet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als zweite Frage stellt sich die, was Boisserée wohl mit alter Mincio&quot; gemeint haben mag? Die Herausgeber seines Tagebuches vermuteten hier einen Schreibfehler und schlugen als Lesart alter Micio&quot; vor  Micio heißt eine Gestalt in einer Komödie des antiken römischen Dichters Publius Terentius Afer, genannt Terenz, entstanden um 160 v. Chr.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das scheint uns wenig Sinn zu machen. Vielmehr heißt der Fluss, der den Gardasee nach Süden entwässert und an dessen Hängen bis heute Reben wachsen, Mincio, in der Schreibweise von Boisseree. Eine kurze Recherche im weltweiten Informationsnetz brachte als Treffer denn auch das Angebot eines italophilen Weinhändlers, bei dem eine Flasche 92er Merlot der Lage Alto Mincio&quot; für 11,80 DM erhältlich ist.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wissen wir auch, was die beiden Reisenden getrunken haben zum Kuss in Hardheim, einen Rotwein, den der Wirt vermutlich zur Ehre des berühmten Gastes aus seinem Keller geholt hat, wobei Sulpiz Boisserée in seinem Tagebuch aus der italienischen Ortsbezeichnung alto&quot; (hoch) ein deutsches alter&quot; gemacht hat  der Wein war wohl tatsächlich nicht mehr ganz jung.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun zur dritten und für viele entscheidenden Frage: Wer hat denn nun geküsst dort im Grünen Baum in Hardheim? Gerade über diese Frage haben sich die Literaturwissenschaftler vielfach den Kopf zerbrochen, denn Boisserée schreibt nur lapidar: Kuß!&quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uns hat das Studium der Originalhandschrift nahegelegt, was wir doch alle schon vermutet haben: Goethe hat geküsst, der alte Schwerenöter, kaum dass er sich von der Geliebten getrennt und kurz bevor er zur Ehefrau in Weimar zurückgekehrt ist.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ihn wollen wir zum Schluss deshalb auch noch einmal zu Wort kommen lassen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bin ich auf die Höhe gelangt, wo die Wasser nicht mehr nach dem Main fließen, ich muß also meine Gedanken der Post anvertrauen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Am 9ten früh gings an ein Scheiden von Boisserée, wo ich denn ganz eigentlich die Trennung fühlte, denn bisher war es noch immer durch seine Gegenwart eine Fortsetzung des glücklichsten Zustands. Auch, wie es zu geschehen pflegt, waren die letzten Stunden die interessantesten. Eine gewisse Scheu verliert sich, wenn man das Unvermeidliche vor sich sieht, und man sucht im offensten Vertrauen einen Ersatz für den drohenden Verlust. Nicht ohne Rührung war der Abschied, und wie man eine Hand umwendet, wäre Sulpiz mit nach Weimar gegangen. Nun war ich denn allein, auf den weiten fruchtbaren Räumen zwischen Main und Main. Zu Werneck nahm ich nochmals von den geliebten Wassern Abschied, nachdem vorher die Weltgeschichte mich ereilt hatte. Auf den weiten Stoppelflächen hetzten Donsche Kosaken verschüchterte Hasen. Eine meilenlange Kolonne des russischen Trains retardierte meinen Eilweg bei hellem Mondschein.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Quelle: Peter Wanner M.A.)&lt;/i&gt;</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 rosenherz</dc:rights>
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