Briefwechsel mit einer Raupe - 2. Brief
Liebe Rosenherz!
Du bist gut. Meinst Du, ich bin glücklich über Deine Absicht, die Brennnessel unter meinen Füßen weg zu mähen? Soll ich vielleicht gar noch in Freudentränen ausbrechen, weil du mir freundlicherweise einen Brief geschrieben hast, bevor du mit der Sense kommst?
Ich bin schockiert. Es geht um meine Existenz, mein Überleben, die Brennnesseln sind meine Lebensgrundlage! Weißt du überhaupt, wie viel Mühe meine Mama gehabt hat, in der ganzen Gegend Brennnesseln zu finden? Schau dich einmal um. Wo sind noch Brennnesseln zu finden, wo Mama ungestört ihre Eier ablegen hat können? Kilometerweit keine zu finden. Ja, da staunst du.
Nirgendswo in der Gegend, in der du wohnst, sind welche zu finden. Sie haben nicht einmal eine Chance überhaupt zu wachsen. In den Gärten der Bewohner am Fuße des Berges, da lässt niemand auch nur eine Brennnessel-Ecke aufkommen. Bei deinem Nachbarn, der kilometerweit entfernt wohnt, da kann kein Brennnesselparadies aufkommen, weil die Hühnerschar frei herumläuft, die ständig scharrt und pickt - ausgenommen die paar Stunden, wenn sie auf der Hühnerleiter schläft. Beim anderen Nachbarn, das ist bis zur Hausmauer mit dem Rasenmäher alles Grün klein- und kurzgeraspelt. Also auch nix mit Wohnung und Futter für uns Raupen.
Ich sage ganz bewußt "uns". Denn wie du gesehen hast, bin ich nicht die Einzige, sondern eine von vielen, der es mit deiner Sense an den Kragen gehen soll, weil dein Ansehen als tüchtige Frau am Spiel steht oder Spaziergeher tuscheln, du seiest eine faule Haut. Seit Tagen fresse ich wie verrückt an den Blättern, damit ich es schaffe bis zur Verpuppung. Das ist anstrengend. Und ständig sind wir in Gefahr, zu Tode zu kommen, bevor wir unsere Flügel entfalten konnten und fliegen.
Deine freundlichen Grüße kannst Du behalten, ich brauche keine. Was ich brauche, sind saftige Brennnesseln. Nein, Ich bin Dir nicht böse, wenn Du die Brennnesseln jetzt abmähst, ich bin tot.
Deine ums Überleben kämpfende Raupe
Du bist gut. Meinst Du, ich bin glücklich über Deine Absicht, die Brennnessel unter meinen Füßen weg zu mähen? Soll ich vielleicht gar noch in Freudentränen ausbrechen, weil du mir freundlicherweise einen Brief geschrieben hast, bevor du mit der Sense kommst?
Ich bin schockiert. Es geht um meine Existenz, mein Überleben, die Brennnesseln sind meine Lebensgrundlage! Weißt du überhaupt, wie viel Mühe meine Mama gehabt hat, in der ganzen Gegend Brennnesseln zu finden? Schau dich einmal um. Wo sind noch Brennnesseln zu finden, wo Mama ungestört ihre Eier ablegen hat können? Kilometerweit keine zu finden. Ja, da staunst du.
Nirgendswo in der Gegend, in der du wohnst, sind welche zu finden. Sie haben nicht einmal eine Chance überhaupt zu wachsen. In den Gärten der Bewohner am Fuße des Berges, da lässt niemand auch nur eine Brennnessel-Ecke aufkommen. Bei deinem Nachbarn, der kilometerweit entfernt wohnt, da kann kein Brennnesselparadies aufkommen, weil die Hühnerschar frei herumläuft, die ständig scharrt und pickt - ausgenommen die paar Stunden, wenn sie auf der Hühnerleiter schläft. Beim anderen Nachbarn, das ist bis zur Hausmauer mit dem Rasenmäher alles Grün klein- und kurzgeraspelt. Also auch nix mit Wohnung und Futter für uns Raupen.
Ich sage ganz bewußt "uns". Denn wie du gesehen hast, bin ich nicht die Einzige, sondern eine von vielen, der es mit deiner Sense an den Kragen gehen soll, weil dein Ansehen als tüchtige Frau am Spiel steht oder Spaziergeher tuscheln, du seiest eine faule Haut. Seit Tagen fresse ich wie verrückt an den Blättern, damit ich es schaffe bis zur Verpuppung. Das ist anstrengend. Und ständig sind wir in Gefahr, zu Tode zu kommen, bevor wir unsere Flügel entfalten konnten und fliegen.
Deine freundlichen Grüße kannst Du behalten, ich brauche keine. Was ich brauche, sind saftige Brennnesseln. Nein, Ich bin Dir nicht böse, wenn Du die Brennnesseln jetzt abmähst, ich bin tot.
Deine ums Überleben kämpfende Raupe
rosenherz - 7. Jun, 10:07


