Mariann das Milchmädchen
Die Milchproduktion in Europa war jahrezehntelang durch die "Milchquotenregelung" geregelt, was an sich eine kluge Maßnahme gewesen ist. In Österreich wurde die Milchmengenregelung 1978 eingeführt und seit damals gibt es für jeden Bauernhof eine individuelle Liefermenge (Quote).
Ein einfallsloser Fall
Seit 20. November 2008 ist nun gewiss, dass die Milchquotenregelung 2015 endgültig gefallen sein wird. Das wurde in der EU-Agrarkommission unter Mariann Fischer Boel beschlossen. Als Übergangsregelung wurde fixiert, bis 2015 die jährliche Menge der Milchproduktion (Milchquote für die jeweiligen Staaten Europas) pro Jahr um jeweils zwei Prozent zu erhöhen. Heißt: mehr Milch am Markt.
Aber wie kommt mehr Milch auf den Markt?
Durch die flächenunabhängige Handelbarkeit von Milchquoten, die 1988 eingeführt wurde. So kann sich ein Bauer, wenn er genügend Geld zur Verfügung hat, Liefermengenquoten kaufen. Das heißt, wenn er in Besitz solcher gekauften Quoten gelangt, darf er je nach Höhe der Quote umso mehr Liter Milch produzieren. Auch wenn mit dem Futter, das auf den betriebseigenen Feldern wächst, gar nicht soviele Tiere füttern kann, die diese Milchmengen geben. Da "hilft" der Futtermittelzukauf, wie beispielsweise Soja aus Brasilien. Außerdem haben Molkereien den Ankauf von Quoten finanziell unterstützt.
Milchmädchenrechnung
Sogar noch in der zweiten Hälfte 2008, als bereits die ersten Einbrüche am Milchmarkt deutlich sichtbar wurden, ist man in den höheren Etagen der Agrarpolitk nach wie vor von der Milchmädchenrechnung ausgegangen, der Milchverbrauch der Europäer werde weiterhin ansteigend sein und China würde die große Chance am Weltmarkt. Man rechnete damit, China würde enorme Mengen der europäischen Milch ankaufen (siehe Milchpulver). In den landwirtschaftlichen Beratungsschriften der Standesvertretung Landwirtschaftskammer findet man sogar im Jänner 2009, bereits im Angesicht der Wirtschaftskrise und dem Rückgang des Milchverbrauchs, noch Hinweise an die Bauern, es sei weiterhin sinnvoll die einzelbetriebliche Lieferquote aufzustocken.
Kritische Stimmen
Bereits zu Verhandlungsbeginn, als der Fall der Milchquotenregelung von der Agrarkommission in Erwägung gezogen wurde, warnten agrakritische Gruppen vor den verheerenden Folgen einer Erhöhung der Quoten und dem endgültigen des Wegfalls 2015. Die kritischen Stimmen blieben ungeachtet. Das Ende der Quotenregelung wurde für 2015 beschlossen. Der Überlebenskampf am Milchmarkt hat bereits eingesetzt.
Die Realität
Die europäischen Verbraucher haben nicht wie berechnet und erwartet reagiert. Seit August 2008 ist der Milchbedarf stark zurückgegangen, während zugleich die Produktion ("dank" landwirtschaftlicher Beratung) noch weiter gestiegen ist. Die Folge: der Handel setzt die Preise herab. Worauf ein massiver Preiseinbruch bei den Erzeugerpreisen folgte.
Produktion und der tatsächliche Bedarf klaffen weit auseinander: Die Backwarenindustrie und die Speiseeisherstellen haben von der Kuhmilch auf die noch billigere (Gentech-) Sojamilch umgesattelt. (Wohin soll den der viele ungeliebte amerikanische Gensoja aus denn auch kommen, den in Europa keiner haben will?)
China zeigt nach dem Milchpulverskandal auch kein großes Interesse mehr an der europäischen Milch.
Auf der Strecke bleiben die kleinen und mittleren Milchbauern in den schwieriger zu bearbeitenden Grünlandgebieten. Molkereien setzten die Bauern einfach vor die Tür, in denen sie Lieferverträge kündigen. Am Markt herrscht Milchüberschuss, da will keine andere Molkerei sich noch mehr Milch aufhalsen, wenn sie die nicht irgendwo auch absetzen kann.
Verantwortlich für das Dilemma am Milchmarkt ist die zuständige Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel mitsamt den Agrarministern, die trotz massiver Warnungen der Kritiker mehrheitlich für den Fall der Quoten gestimmt haben. Sie waschen sich die Hände in Unschuld und so tun, als sei es der Wunsch der Bauern gewesen.
Ein einfallsloser Fall
Seit 20. November 2008 ist nun gewiss, dass die Milchquotenregelung 2015 endgültig gefallen sein wird. Das wurde in der EU-Agrarkommission unter Mariann Fischer Boel beschlossen. Als Übergangsregelung wurde fixiert, bis 2015 die jährliche Menge der Milchproduktion (Milchquote für die jeweiligen Staaten Europas) pro Jahr um jeweils zwei Prozent zu erhöhen. Heißt: mehr Milch am Markt.
Aber wie kommt mehr Milch auf den Markt?
Durch die flächenunabhängige Handelbarkeit von Milchquoten, die 1988 eingeführt wurde. So kann sich ein Bauer, wenn er genügend Geld zur Verfügung hat, Liefermengenquoten kaufen. Das heißt, wenn er in Besitz solcher gekauften Quoten gelangt, darf er je nach Höhe der Quote umso mehr Liter Milch produzieren. Auch wenn mit dem Futter, das auf den betriebseigenen Feldern wächst, gar nicht soviele Tiere füttern kann, die diese Milchmengen geben. Da "hilft" der Futtermittelzukauf, wie beispielsweise Soja aus Brasilien. Außerdem haben Molkereien den Ankauf von Quoten finanziell unterstützt.
Milchmädchenrechnung
Sogar noch in der zweiten Hälfte 2008, als bereits die ersten Einbrüche am Milchmarkt deutlich sichtbar wurden, ist man in den höheren Etagen der Agrarpolitk nach wie vor von der Milchmädchenrechnung ausgegangen, der Milchverbrauch der Europäer werde weiterhin ansteigend sein und China würde die große Chance am Weltmarkt. Man rechnete damit, China würde enorme Mengen der europäischen Milch ankaufen (siehe Milchpulver). In den landwirtschaftlichen Beratungsschriften der Standesvertretung Landwirtschaftskammer findet man sogar im Jänner 2009, bereits im Angesicht der Wirtschaftskrise und dem Rückgang des Milchverbrauchs, noch Hinweise an die Bauern, es sei weiterhin sinnvoll die einzelbetriebliche Lieferquote aufzustocken.
Kritische Stimmen
Bereits zu Verhandlungsbeginn, als der Fall der Milchquotenregelung von der Agrarkommission in Erwägung gezogen wurde, warnten agrakritische Gruppen vor den verheerenden Folgen einer Erhöhung der Quoten und dem endgültigen des Wegfalls 2015. Die kritischen Stimmen blieben ungeachtet. Das Ende der Quotenregelung wurde für 2015 beschlossen. Der Überlebenskampf am Milchmarkt hat bereits eingesetzt.
Die Realität
Die europäischen Verbraucher haben nicht wie berechnet und erwartet reagiert. Seit August 2008 ist der Milchbedarf stark zurückgegangen, während zugleich die Produktion ("dank" landwirtschaftlicher Beratung) noch weiter gestiegen ist. Die Folge: der Handel setzt die Preise herab. Worauf ein massiver Preiseinbruch bei den Erzeugerpreisen folgte.
Produktion und der tatsächliche Bedarf klaffen weit auseinander: Die Backwarenindustrie und die Speiseeisherstellen haben von der Kuhmilch auf die noch billigere (Gentech-) Sojamilch umgesattelt. (Wohin soll den der viele ungeliebte amerikanische Gensoja aus denn auch kommen, den in Europa keiner haben will?)
China zeigt nach dem Milchpulverskandal auch kein großes Interesse mehr an der europäischen Milch.
Auf der Strecke bleiben die kleinen und mittleren Milchbauern in den schwieriger zu bearbeitenden Grünlandgebieten. Molkereien setzten die Bauern einfach vor die Tür, in denen sie Lieferverträge kündigen. Am Markt herrscht Milchüberschuss, da will keine andere Molkerei sich noch mehr Milch aufhalsen, wenn sie die nicht irgendwo auch absetzen kann.
Verantwortlich für das Dilemma am Milchmarkt ist die zuständige Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel mitsamt den Agrarministern, die trotz massiver Warnungen der Kritiker mehrheitlich für den Fall der Quoten gestimmt haben. Sie waschen sich die Hände in Unschuld und so tun, als sei es der Wunsch der Bauern gewesen.
rosenherz - 18. Mrz, 11:12


