Brief zum Thema: Dunkle Nächte der Seele
Liebe Claudia!
Gewiss kenne ich sie, die dunklen Nächte der Seele. Diese Stimmungen, in denen ich mir verloren, verlassen oder ungeliebt vorkomme. Ausgelöst durch äußere Begebenheiten oder durch innere Prozesse der Selbsterkenntnis. Du fragst mich, worauf ich mich besinne, wenn ich ganz unten bin?
Fragst mich, was mir hilft in finsteren Stunden, Tagen oder Wochen wieder nach oben zu kommen?
Als Schulkind legte ich mich, wenn’s ganz dick daherkam, in der Scheune ins duftende Heu. Da konnte ich ungestört meinen Gedanken nachsinnen, ohne von den Eltern oder Geschwistern beäugt, befragt oder belästigt zu werden. Manchmal zog ich durch den angrenzenden Wald, streifte mit meinen Händen über die saftiggrünen Blätter der Buchen, atmete den Geruch des Waldbodens oder suchte nach Parasolpilzen und Täublingen. Manchmal legte ich mich unter herabhängende Äste junger Tannenbäume. Da fühlte ich mich - wenigsten für eine Zeitlang - geborgen unter schirmenden Zweigen.
Ein paar Jährchen älter geworden zieht es mich nimmer in Buchenwälder, wenn ich mich ganz unten fühle, sondern ich blättere in Büchern. Lese Geschichten, Sprüche, Märchen, Gedichte, die mich trösten oder inspirieren. Geschichten die auf Blätter gedruckt sind, die einst als Bäume im Wald über sich selbst hinausgewachsen sind. Ich kann mich tagelang verkriechen hinter einem Buch, wie ein Baumkäfer hinter der Rinde. Oft erforsche ich scheinbar Gegensätzliches: die Welt ist Schein - die Welt ist heilig, Petersilie ist giftig - Petersilie ist ein Heilmittel, Sex ist pfui - Sex ist göttlich. Bin ich nachher, nach dem Nachdenken klüger als vorher? Kann man diese Frage überhaupt so stellen? Nachher weiß ich bloß, dass ich nicht weiß, was die allgemein gültige Wahrheit wäre. Dann weiß ich bloß, Antworten können sowohl Gift als auch Heilmittel sein.
Im Laufe der Jahre erschloss ich mehrere Quellen, die mich in den schrecklich dunklen Nächten der Seele am Leben zu erhalten vermögen. Dabei lasse ich mich von meiner Intuition leiten. Bücher, Bilder, Farblicht, Briefe schreiben, Tanzen oder auch Musik können mir Quelle sein.
Gerne lege ich eine CD ein und erfülle meine Wohnung mit dem Wohlklang von Musik - Arabische Trommeln, Orchestra, Alpinrock, Klavier, Geige, Jazz, Chants, Worldmusik, Afrikanischer Gesang. Ich drehe die Lautsprecher auf, Töne und Melodien vibrieren in meinem Körper. Von der Leibesmitte ausgehend breitet sich ein wohlig warmes Gefühl in meinem Körper aus, während ich mich der Musik hingebe.
Manchmal ergebe ich mich der Dunkelheit. Ich lege mich ins breite Bett, das Gesicht nahe zur Wand, hülle mich bis über die Ohren in die Decke. Spüre meinen Atem, der warm aus der Nase strömt. Gekrümmt wie eine kleine Bohne liege ich unter der Decke, die mich warm birgt und ich imaginiere mich in einem Kokon wohnend, als Puppe eines schönen Schmetterlings.
Rosenherz
Gewiss kenne ich sie, die dunklen Nächte der Seele. Diese Stimmungen, in denen ich mir verloren, verlassen oder ungeliebt vorkomme. Ausgelöst durch äußere Begebenheiten oder durch innere Prozesse der Selbsterkenntnis. Du fragst mich, worauf ich mich besinne, wenn ich ganz unten bin?
Fragst mich, was mir hilft in finsteren Stunden, Tagen oder Wochen wieder nach oben zu kommen?
Als Schulkind legte ich mich, wenn’s ganz dick daherkam, in der Scheune ins duftende Heu. Da konnte ich ungestört meinen Gedanken nachsinnen, ohne von den Eltern oder Geschwistern beäugt, befragt oder belästigt zu werden. Manchmal zog ich durch den angrenzenden Wald, streifte mit meinen Händen über die saftiggrünen Blätter der Buchen, atmete den Geruch des Waldbodens oder suchte nach Parasolpilzen und Täublingen. Manchmal legte ich mich unter herabhängende Äste junger Tannenbäume. Da fühlte ich mich - wenigsten für eine Zeitlang - geborgen unter schirmenden Zweigen.
Ein paar Jährchen älter geworden zieht es mich nimmer in Buchenwälder, wenn ich mich ganz unten fühle, sondern ich blättere in Büchern. Lese Geschichten, Sprüche, Märchen, Gedichte, die mich trösten oder inspirieren. Geschichten die auf Blätter gedruckt sind, die einst als Bäume im Wald über sich selbst hinausgewachsen sind. Ich kann mich tagelang verkriechen hinter einem Buch, wie ein Baumkäfer hinter der Rinde. Oft erforsche ich scheinbar Gegensätzliches: die Welt ist Schein - die Welt ist heilig, Petersilie ist giftig - Petersilie ist ein Heilmittel, Sex ist pfui - Sex ist göttlich. Bin ich nachher, nach dem Nachdenken klüger als vorher? Kann man diese Frage überhaupt so stellen? Nachher weiß ich bloß, dass ich nicht weiß, was die allgemein gültige Wahrheit wäre. Dann weiß ich bloß, Antworten können sowohl Gift als auch Heilmittel sein.
Im Laufe der Jahre erschloss ich mehrere Quellen, die mich in den schrecklich dunklen Nächten der Seele am Leben zu erhalten vermögen. Dabei lasse ich mich von meiner Intuition leiten. Bücher, Bilder, Farblicht, Briefe schreiben, Tanzen oder auch Musik können mir Quelle sein.
Gerne lege ich eine CD ein und erfülle meine Wohnung mit dem Wohlklang von Musik - Arabische Trommeln, Orchestra, Alpinrock, Klavier, Geige, Jazz, Chants, Worldmusik, Afrikanischer Gesang. Ich drehe die Lautsprecher auf, Töne und Melodien vibrieren in meinem Körper. Von der Leibesmitte ausgehend breitet sich ein wohlig warmes Gefühl in meinem Körper aus, während ich mich der Musik hingebe.
Manchmal ergebe ich mich der Dunkelheit. Ich lege mich ins breite Bett, das Gesicht nahe zur Wand, hülle mich bis über die Ohren in die Decke. Spüre meinen Atem, der warm aus der Nase strömt. Gekrümmt wie eine kleine Bohne liege ich unter der Decke, die mich warm birgt und ich imaginiere mich in einem Kokon wohnend, als Puppe eines schönen Schmetterlings.
Rosenherz
rosenherz - 5. Jan, 16:25
SCHLAGLOCH - 12. Feb, 20:02
Hallo Rosenherz, als vom Internet und Weblog noch nicht einmal der Name existierte habe ich Briefe geschrieben an Bekannte, Kursteilnehmer usw. Es war auch immer ein Tagebuchschreiben, meine Briefe waren auch gleichzeitig mein persönliches Tagebuch. Die Idee an einzelne Teile des eigenen Körpers einen Brief zuschreiben finde ich gut, ich sollte einmal an meinen Fuß oder an meinen Bauch einen Brief schreiben.
Was für die Seele gut ist hast du sehr schön aufgezählt, vieles habe ich schon ausprobiert, etwas möchte ich für meine Seele noch hinzufügen, an vorderster Stelle: Im Winter Langlaufen und im Sommer Radfahren, am wirkungsvollstem bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.
Gruss schlagloch.
Was für die Seele gut ist hast du sehr schön aufgezählt, vieles habe ich schon ausprobiert, etwas möchte ich für meine Seele noch hinzufügen, an vorderster Stelle: Im Winter Langlaufen und im Sommer Radfahren, am wirkungsvollstem bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.
Gruss schlagloch.



Rituale sind wichtig
liebe Grüße
Jürgen
Ein schöner Kommentar,
Ich bemerke auch, wie sich im Laufe der Jahre Rituale verändern, wegfallen oder neue dazukommen. Unabhängig vom ausgerufenen Mozartjahr tröstet mich seit ein paar Wochen eine von Mozart komponierte Melodie, das Ave verum corpus. Obwohl es nach Tod und Trauer klingt empfinde ich es als erhebend.
Berührend, wie du schreibst, es gibt vieles, an dem die Seele sich aufrichten kann. JA. Beispielsweise ein Weblog.
Liebe Grüße, Rosenherz