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Freitag, 15. Dezember 2006

WTO: „Kuhhandel“ mit der Landwirtschaft?

Vor 11 Jahren wurde die WTO gegründet. - Noch immer ist die WTO eine Einbahnstraße in Richtung Liberalisierung. Und noch immer dient die WTO vorrangig den Interessen der „Großen“. Die negativen Folgen der Liberalisierungen in der Landwirtschaft lassen sich rund um die Welt mit vielen Beispielen belegen. In vielen Entwicklungsländern steigt die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten aus dem Norden stark. Weiters ist in der Landwirtschaft die Kontrolle der Konzerne drastisch gestiegen. Dies ist auch beim Saatgut und beim Dünger der Fall, wo die Bauern und Bäuerinnen weltweit in schwere Abhängigkeitsverhältnisse geraten. Der Zugang zu Ressourcen wird für Kleinbauern und –bäuerinnen immer schwieriger und es kommt zur Konzentration einiger weniger Großbauern. Des weiteren soll über die WTO dem Export absolute Priorität eingeräumt werden, wodurch lokale Märkte geschwächt werden und es zu massiven Schäden und Nachteilen für die Umwelt und die Menschen kommt. Die gegenwärtige Politik nutzt nicht der Mehrheit der Bevölkerung.

Als Fazit daraus – und umgelegt auf die WTO – lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass sich der eigentliche Konflikt in der Landwirtschaft nicht zwischen Nord und Süd abspielt, sondern zwischen „Groß“ und „Klein“, also insbesondere zwischen einer nachhaltigen und kleinräumigen Landwirtschaft versus einer von Konzernen kontrollierten industrialisierten Landwirtschaft. Und dieser Konflikt zieht sich durch Süd und Nord.

Den Interessen der Entwicklungsländer vor allem in der Landwirtschaft stehen die Hauptinteressen der Industrieländer beim GATS (Dienstleistungen) und bei NAMA („Non Agricultural Market Access“, also alle Güter außer landwirtschaflichen) gegenüber.

Die Position der EU bezüglich Landwirtschaft ist relativ klar. In Bezug auf die Exportsubventionen wurde beschlossen, dass diese beendet werden, jedoch wurde dies noch nicht umgesetzt. Der Zeitpunkt der Umsetzung ist noch offen, da daraus in den Verhandlungen noch Profit geschlagen werden soll. Was den Marktzugang betrifft, so ist die EU sehr defensiv. Die Einschätzung geht hier dahin, dass die EU zwar einerseits viel zu verlieren hat, jedoch andererseits – wenn in den anderen Verhandlungsbereichen keine weiteren Fortschritte erzielt werden – hier zu Zugeständnissen an die VerhandlungspartnerInnen bereit sein könnte, um die offensiven EU-Interessen in den anderen Bereichen zu befriedigen.

Für die Landwirtschaft ist es in der WTO schlecht bestellt. Deshalb gilt: „No deal is better than a bad deal“. – Alternativen sind außerhalb der WTO zu suchen. Die dogmatische Durchsetzung von Liberalisierungen in der Landwirtschaft funktioniert nicht und hat sehr negative Auswirkungen. Politische Handlungsfähigkeit ist in der Landwirtschaft sehr wichtig. Jedoch wird genau diese durch die WTO stark reduziert.

Landwirtschaft ist aufs Engste mit Ernährungsfragen, Umwelt, Menschenrechten und Arbeit verknüpft. Diese Fragen dürfen nicht der Selbstregulierung durch den Markt überlassen werden.
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Les Jardins de Cocagne – alle gewinnen

Angesichts der Lage in der sich die Landwirtschaft in der Schweiz, wie in der EU befindet, möchte ich anhand der Gemüseproduktions- und Vertriebsgenossenschaft «Les Jardins de Cocagne» zeigen, dass es alternative Organisationsformen gibt und was diese kennzeichnet.
Von Rudi Berli

„Les Jardins de Cocagne“ ist eine 1978 gegründete Genossenschaft, die heute 400 Familien im Raum Genf wöchentlich mit frischem, jahreszeitabhängigem, biologischem Gemüse beliefert. Zehn ProduzentInnen arbeiten in der Produktion und besetzen insgesamt vier Vollzeitanstellungen. Die GenossenschafterInnen und KonsumentInnen unterzeichnen jährlich einen Vertrag und entrichten im Voraus einen Preis, der ihnen einen Anteil der Produktion sichert. Der Preis für das Abonnement ist aufgeteilt in zwei Teile, den Standardteil und den kleinen Teil. Diese Teile sind wiederum je nach Einkommen der Konsumenten aufgegliedert. In diesem System gibt es keine Überschussproduktion, denn die gesamten Produktionskosten werden von den Mitgliederbeiträgen gedeckt, das heißt dass die ganze Produktion schon im Voraus verkauft ist. Die den ProduzentInnen von den Großverteilern aufgezwungenen Qualitätsstandards fallen dahin, da eine krumme oder zu kleine Gurke genauso gut schmeckt wie eine Normgurke. Diese Normierung ernennt im Handumdrehen 15-30% der Produktion zu Abfall - ein ökonomischer Schwachsinn.

Preis und Inhalt
… der Produktion werden jeweils gemäss dem Vorschlag der ProduzentInnen bei der Jahresversammlung festgelegt. Er ist vom Ertrag unabhängig, da die Produktionskosten nur zu einem kleinen Teil davon abhängen. Die Größe der Genossenschaft ist seit mehreren Jahren stabil, da beschlossen wurde sich im Wachstum auf 400 Haushalte zu beschränken. Vielmehr strebt die Genossenschaft an, dass andere, parallele Initiativen entstehen, als eine einzige immerzu größere. Das ist ökonomische Artenvielfalt.
Das Produktionsrisiko wird solidarisch getragen, im Fall von Missernte bedeutet das weniger Ertrag pro Anteilsschein, im Falle eines guten Jahres bedeutet es Überfluss. Da die Genossenschaft circa 50 verschiedene Gemüsesorten pro Jahr produziert, gleicht sich das Produktionsrisiko jedoch so in etwa aus.
Die Löhne der ProduzentInnen, die von den KonsumentInnen angestellt sind, werden von der Generalversammlung fixiert, entsprechen einem geläufigen, durchschnittlichen Lohn und sind so rund 25 % höher als sonst in der Landwirtschaft. Desgleichen sind Arbeitszeiten und allgemeine Arbeitsbedingungen den üblichen Bedingungen anderer Sektoren angepasst.

Da es keinen Zwischenhandel und bedeutend weniger Verluste gibt, wird dieses biologische Gemüse, trotz besserer sozialer Bedingungen, schlussendlich sogar noch billiger als das Gemüse auf dem konventionellen Preis. Was nebenbei nicht heißen soll, dass Lebensmittel zu teuer sind, nur das die Gewinnmargen zu oft nicht am richtigen Ort landen, bei ProduzentInnen oder bei LandarbeiterInnen, sondern im Portfolio eines Aktienhändlers.

Die KonsumentInnen beteiligen sich auch zu vier halben Tagen an der Ernte und dem Vertrieb der Produktion, falls sie dieser Verpflichtung nicht nachkommen, zahlen sie einen proportionellen Aufpreis. So vertieft sich die Beziehung zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen nicht nur über den Konsum der Produkte, sondern auch über deren Produktion.

Dieses kleine Beispiel einer seit bald 30 Jahren funktionierenden Produktions- und Konsumstruktur, zeigt wie wichtig in der Landwirtschaft ein klarer Vertrag zwischen den Partnern ist. Dieser Vertrag muss eine Definition von Menge und Qualität, sowie ein Liefertermin beinhalten, der Preis muss festgesetzt und eine Anzahlung muss vor der Lieferung gemacht sein. Freier Markt, bedeutet nicht liberaler Kannibalismus und Barbarei, sondern dass die verschiedenen sozialen Sektoren einen gemeinsamen, sozialen Vertrag ausarbeiten und aushandeln.

(c) Rudi Berli, uniterre
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